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Über die Chance und Grenzen des digitalen Lernens

Über Chancen
und Grenzen
des digitalen
Lernens

Victoria Langbauer und Florian Hirner von der LIMAK Austrian Business School geben im folgenden Interview spannende Einblicke in den Bereich Digitales Lernen und erklären, welche Chancen und Herausforderungen diese Entwicklungen bereithalten und was der LIMAK beim Thema Online Lernen wichtig ist.

Was hat sich an der LIMAK im Bereich der Digitalisierung getan?

Florian Hirner: Die Zeichen der Zeit stehen auf digitale Bildung. Corona hat der Branche einen unglaublichen Entwicklungsschub verpasst und die Akzeptanz für solche Angebote gesteigert. Der LIMAK MBA wurde daher ab 2020 in seiner Lehr- und Lernmethodik digitaler. Es gibt zwei neue Lehrveranstaltungsformate, die über die nächsten Jahre hinweg in alle LIMAK Management MBA integriert werden. Von vormals 15 Präsenztagen in einer Spezialisierung werden wir in Zukunft auf zehn Präsenztage und fünf Online Tage kommen. Diese ergeben sich durch die neuen Lehrveranstaltungstypen. Die Präsenzveranstaltung ist das klassische Format und wird auch zukünftig der zentrale Bestandteil des LIMAK MBA bleiben. Aber es gibt nun zwei neue Formate und eines davon ist die Blended Learning-Lehrveranstaltung.

Was ist darunter zu verstehen?

Florian Hirner: In diesem Lehrveranstaltungstypus wird ein Teil der Wissensvermittlung, welche ursprünglich in Präsenz abgehalten wurde, nun vorab online zur Verfügung gestellt. Zum Beispiel findet eine Lehrveranstaltung, welche früher in drei geblockten Präsenztagen abgehalten wurde, zukünftig in zwei Tagen Präsenz und einem Onlinetag vorab statt. Um dies zu ermöglichen, wurde gemeinsam mit den LIMAK Lehrveranstaltungsleiter/innen hochwertiger Multimedia Content wie Lernvideos und Wissenschecks produziert, welchen wir in Zukunft am LIMAK Online Campus vor Lehrveranstaltungsbeginn zur Verfügung stellen. Hierfür haben wir in ein neues LIMAK Lernvideostudio investiert, in dem wir diesen qualitätsvollen Content gemeinsam mit den LIMAK Expert/innen entwickeln.

Im Vordergrund steht das Ziel, unseren Teilnehmer/innen durch digitale Elemente und Angebote mehr Flexibilität zu ermöglichen. 

Florian Hirner

Und das zweite Format?

Florian Hirner: Dabei handelt es sich um die Online Lehrveranstaltung. Diese wird zu 100% online abgehalten und findet ausschließlich im virtuellen Raum statt. Hier steht verstärkt das prozessorientierte Lernen im Vordergrund. Die Lernenden arbeiten in thematisch voneinander abgegrenzten Wochenmodulen mit multimedialen Inhalten und reflektieren das erworbene Wissen in den begleitenden Live-Webinaren mit LIMAK Lehrveranstaltungsleiter/innen, wobei der persönliche Austausch in „Breakout Sessions” auch gruppendynamisches Lernen ermöglicht.

Welcher Nutzen entsteht daraus für die Teilnehmer/innen?

Florian Hirner: Es wird in der Entwicklung besonders darauf geachtet, welcher Lehrveranstaltungstyp sich für welche Inhalte am besten eignet. Im Vordergrund steht das Ziel, unseren MBA Teilnehmer/innen mehr Flexibilität zu gewähren. Diese berichten, dass auch in puncto Weiterbildung Zeit ihre knappste Ressource ist und sie oft nicht genügend davon für Präsenztermine und die damit verbundenen Reisen zur Verfügung haben. Durch die Möglichkeit, Inhalte online im eigenen Tempo und zu individuell passenden Zeiten lernen zu können, bieten wir nun mehr Flexibilität. Wichtig ist uns dabei natürlich, dass auch online möglichst viel Interaktion und Networking passiert.

Victoria Langbauer: Durch die Integration von Online-Elementen sehen wir auch bei unseren Kundenprojekten im LIMAK IN.SPIRE Bereich einen großen Vorteil. Lernen wird individueller und gerade für unsere internationalen Teilnehmer/innen bieten diese Elemente eine gute Möglichkeit, Reisezeiten einzuschränken sowie zeit- und ortsunabhängig zu lernen.

Florian Hirner: Zudem wissen wir aus der Forschung, dass Online-Lehre auch eine Vielzahl an didaktischen Vorteilen mitbringt, die wir für nachhaltigere Lernwirksamkeit nutzen wollen. Beispielsweise können durch vorbereitende Inhalte alle Studierenden in ihrem individuellen Lerntempo vorab auf einen Wissenstand gebracht werden. Somit schaffen wir eine optimale Grundlage für intensive Fachdiskussionen im Präsenztraining. Auch das im Zusammenhang mit digitalem Lernen oftmals genannte Schlagwort „Microlearning“ haben wir bei der Konzeption des LIMAK MBA aufgegriffen. Die Studierenden bekommen in der online Vorbereitungsphase sehr kurze und inhaltlich abgeschlossene, multimediale Inhalte wie Lernvideos und Wissenschecks. Sie dienen als Schlüssel, um sich das akademische Wissen selbstständig und nach individuellen Bedürfnissen einfacher zu erschließen.

Woher nimmt die LIMAK das Know-how für diesen großen Schritt der Weiterentwicklung des MBA?

Florian Hirner: Der Geschäftsbereich der LIMAK Online Diplomlehrgänge hat seit seinem dreijährigen Bestehen schon mehr als 140 begeisterte Absolvent/innen hervorgebracht. Es wurden mittlerweile zu fünf Management- und Leadership-Themen online Lehrgänge entwickelt, die wegen eines immer wichtiger werdenden Life-Long Learning Ansatzes auch von ehemaligen MBA Absolvent/innen besucht und sehr geschätzt werden. Das neue Format hat sozusagen die Basis für diesen großen Entwicklungsschritt in der LIMAK gelegt. Es wurde in diesem Geschäftsbereich viel innovatives Wissen zum Thema digitales Lernen aufgebaut, das kommt nun auch den anderen Bereichen der Organisation zugute. Im Jahr 2020 haben wir uns in Abstimmung mit allen akademischen Leitern der LIMAK entschieden, Online- und Blended-Formate auch in den LIMAK MBA als eigenen Lehrveranstaltungstypus einzubringen. Dieser Schritt bringt den zusätzlichen großen Vorteil, dass die Online Diplomlehrgänge für den LIMAK MBA anrechenbar sind und wir unser modulares Konzept weiter ausbauen.

Victoria Langbauer: Besonders im Frühjahr 2020 haben wir auch im IN.SPIRE Bereich die Zeit für einen intensiven Austausch mit unseren Trainer/innen genutzt. Durch Train-the-Trainer Workshops, gemeinsame digitale Konzeptentwicklungen mit nachgelagerten Konzept-Challenges und den Ausbau unserer internen Trainerplattform haben wir ein einheitliches Verständnis von Online Lernen generiert. Das Lernen von- und miteinander und der kontinuierliche Austausch von Erfahrungen bringen immer wieder neue Blickwinkel und ermöglichen uns eine Weiterentwicklung im digitalen Bereich.

Durch die Integration von Online-Elementen sehen wir auch bei unseren Kundenprojekten im LIMAK IN.SPIRE Bereich einen großen Vorteil.

Victoria Langbauer

Was ist das Spezielle an den LIMAK Online Diplomlehrgängen?

Sie verschaffen einerseits Manager/innen und Führungskräften durch hohe Orts- und Zeitunabhängigkeit möglichst viel Flexibilität. Anderseits sind die Lehrgänge inhaltlich kompakt und fokussiert, erstrecken sich aber über einige Wochen und dadurch wird das Wissen wirklich verankert und sehr praxisorientiert in die Arbeitswelt der Teilnehmenden integriert. Es war uns wichtig, die Stärken der LIMAK Präsenz in das digitale Format mitzunehmen – und zwar durch interaktive Übungen, gruppendynamische Lernprozesse, persönlichen Austausch und eine kontinuierliche persönliche Expertenbetreuung. Wir haben ein digitales High End Format geschaffen, in dem die Teilnehmer/innen innerhalb von fünf Wochen beispielsweise ein neues digitales Geschäftsmodell oder ein Umsetzungskonzept zur Einführung von Agilität entwickeln.

Finden sich diese Formate auch im IN.SPIRE Bereich wieder?

Victoria Langbauer: Wir bedienen uns im Geschäftsbereich IN.SPIRE mit Präsenzveranstaltungen, dem Blended Learning Format und den reinen Online Trainings aller drei Formate. In unseren Führungskräfteakademien, das sind Lehrgänge mit mehreren Gruppen aus verschiedenen Hierarchieebenen im Unternehmen, bauen wir Online Elemente ein. Weiters bieten wir unseren Kunden maßgeschneiderte Online Kurse sowie Impuls-Webinare zu aktuellen Themen wie Agilität, Nachhaltigkeit oder Digital Sales. Diese maßgeschneiderten Angebote machen uns als IN.SPIRE aus. In den Selbstlernphasen wird mit konkreten Fragestellungen aus dem Unternehmen gearbeitet – beispielsweise wird der Status Quo im Bereich Agilität oder Performance Management System im Unternehmen analysiert. Die wöchentlichen Live-Webinare dienen dem Austausch und der Reflexion der Erkenntnisse. Bei einem Blended Learning Training wird auch bei uns beispielsweise in einem dreitägigen Modul ein Tag durch drei vor- oder nachgelagerte Webinare ersetzt.

Zu welchen Themen gibt es im Bereich IN.SPIRE bereits Online / Blended Learning Formate?

Victoria Langbauer: Die Online beziehungsweise Blended Umsetzung reicht bei uns von den Leadership-Modulen im Bereich Coaching Skills, die Rolle als Führungskraft, Change Management, Konfliktmanagement, Remote Führung von Teams oder positiver Leadership bis hin zu Management-Themen wie BWL kompakt, Financial Know-how, Projektmanagement oder auch eine Online Business Simulation, also ein Planspiel.  In den Bereichen Verkaufs- und Verhandlungstraining, Arbeitsrecht oder Business-Modelling sind Online Module ebenfalls gefragt. In der aktuellen Pandemie fanden auch Team-Building Seminare und Abschlussveranstaltungen online statt. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Darüber hinaus bietet die LIMAK nun auch ein Webinar-Abo-Modell an.

Florian Hirner: Das ist korrekt. Und zwar seit Herbst 2020. Mit den LIMAK Management Spotlights gibt es ein Lifelong-Learning Format für Führungskräfte, um immer up-to-date zu bleiben. Expert/innen sprechen hier in moderierten Großgruppen-Webinaren 16 Mal im Jahr zu unterschiedlichen aktuellen Themen im Bereich Leadership und Management wie Veränderungsmanagement, Circular Economy, Selbstführung, New Work, oder Agilität. Wir können dieses Format an die Bedürfnisse der Unternehmen anpassen und exklusive Impulse für bis zu 500 Mitarbeiter/innen anbieten.

Ist digitales Lernen gekommen, um zu bleiben?

Victoria Langbauer: Definitiv. Wir beschäftigen uns an der LIMAK seit drei Jahren mit dem Thema Online Learning und stellen bei unseren Kunden seit einigen Monaten eine größere Bereitschaft für neue Lernformate fest. Ich sehe den Mehrwert besonders in der Auslagerung der Wissensaneignung in Form von Lernvideos und Literaturstudium sowie im Bereich der Transfersicherung. Durch nachgelagerte interaktive Webinare – wir nennen diese Retrospectives – können die Lernkurve und der Transfer in den Arbeitsalltag um vieles gesteigert werden.

Florian Hirner: Auch ich bin überzeugt, dass der Trend anhalten wird. Die Zukunft wird mit der rasanten technologischen Entwicklung im Bereich von Künstlicher Intelligenz, Augmented Human etc. noch viel Spannendes für uns bereithalten. Es ist ein ständiges, agiles Mindset gefragt, um herauszufinden, welche Trends und Technologien tatsächlich aufgegriffen werden sollten und welche man auch links liegen lassen kann.

Gibt es auch Herausforderungen oder Grenzen des digitalen Lernens?

Florian Hirner: Es gibt Inhalte, die an der LIMAK vordergründig mit einem erlebnisorientierten, didaktischen Ansatz gelehrt werden, wie zum Beispiel das Führen von Teams in herausfordernden Situationen im Bereich Leadership. Dieser Ansatz kann nur sehr schwer digitalisiert werden. Uns ist wichtig, stets den Lernenden im Blick zu behalten und einen guten Mix aus den beiden Welten zu bieten.

Victoria Langbauer: Die größte Herausforderung sehe ich im Bereich des informellen Lernens und Networkings. Der klassische „After-Work-Drink“ fällt online weg, wenngleich wir hier durch Online Team-Building Webinare, die Schaffung von virtuellen Räumen zum Austausch oder Walk-and-Talk Aufgabenstellungen die zwischenmenschliche Komponente so gut als möglich abbilden. Speziell bei umfangreicheren Programmen mit mehreren Modulen gilt für mich die Devise, das Beste aus beiden Welten nutzen. Das heißt, es soll im Präsenzmodul eine gute Beziehung zwischen den Teilnehmer/innen geschaffen werden, auf der im Online Modus für die Weiterarbeit bestmöglich aufgebaut werden kann.

Florian Hirner ist seit 2018 an der LIMAK für den Aufbau des Digital Learning Bereich verantwortlich und leitet zugleich auch das LIMAK E-Learning Competence Center, das für die Neuentwicklung von digitalen Produkten sowie für den Know-how Transfer zum Thema Digital Learning im LIMAK Team zuständig ist. Es gibt mittlerweile fünf reine online Management- und Leadership Weiterbildungen an der LIMAK, unter anderen zu Themen wie Nachhaltigkeit, Agilität und digitaler Geschäftsmodellentwicklung und fünf weitere sind derzeit in Entwicklung, welche als Standalone oder zukünftig auch als Teil eines Universitätslehrgangs- oder MBA-Programms absolviert werden können.

Victoria Langbauer ist Learning & Development Expert im Geschäftsbereich LIMAK IN.SPIRE und betreut eine Vielzahl an (internationalen) Firmenprojekten wie etwa TGW, Greiner, Brau Union, Fronius, Josko. Sie konzipiert für diese Unternehmen maßgeschneiderte Leadership und Management Weiterbildungen und taucht dabei oftmals tief in Gegebenheiten der Organisationen ein, um optimale und den Bedürfnissen des Unternehmens entsprechende Lern-Designs zu entwerfen.

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